Radtour Rumänien 2013

Text: Walter Jazek

Seit Anfang Mai waren wir mit unseren Rädern dem "Euro Velo 6" gefolgt. Zunächst an der Loire entlang, ab Digoin am Canal du Centre bis nach Chalon sur-Saone, weiter nach Nordosten am Doubs entlang über Besancon, Mulhouse am Rhein-Rhone-Kanal entlang nach Basel, dem Rheinradweg folgend bis zum Bodensee. Diesen verließen wir bei Radolfzell und radelten über die Berge nach Norden, bis wir bei Tuttlingen die Donau erreichten.

 

Durch viele europäische Länder sind wir gekommen: Frankreich, Deutschland, Schweiz, Österreich, Slowakei,Ungarn, Serbien Kroatien, Bulgarien und schließlich Rumänien.

 

Ganz ehrlich: Dieses letzte Land war uns nicht ganz geheuer. Wir hatten so gar keine Vorstellungen davon, wie es dort zugehen würde.

 

Das hatten wir gehört in letzter Zeit: Aus Rumänien stammte das als "Rindfleisch" bezeichnete, in die westlichen Länder verkaufte Pferdefleisch. Es hieß, überall würden gefährliche Hunde herumstreunen. Dagegen hatten wir uns mit elektronischen Hundeschreckgeräten ausgerüstet und Pfefferspray gekauft.

Auch mit Überfällen rechneten wir. Für die Bankkarte hatten wir uns besondere Verstecke ausgedacht.

 

All diese Gedanken führten dazu, dass wir rumänisches Gebiet erst einmal mieden. Auf einem unserer Höhepunkte der Reise, dem Eisernen Tor, sahen wir über die Donau nach Rumänien hinüber. Obwohl wir schon eine ganze Weile an der Grenze entlang fuhren, blieben wir stets auf der bulgarischen Donauseite. Bestärkt wurden wir darin noch, als wir ein französisches Ehepaar trafen, das aus Rumänien zu unserer Donauseite gewechselt hatte, eben weil es unangenhme Überraschungen mit agressiven Hunden gemacht hatte.

 

Die Südseite der Donau ist in dieser Gegend nicht gerade als eben zu bezeichnen. Es gibt lange Steigungen, die in der heißen Julisonne recht strapaziös sind. Wenn man auf der Hochebene radelt, stößt man immer wieder auf Täler von Nebenflüssen der Donau, was zur Folge hat, dass man bergab rauscht und sich dann wieder bergauf zur Ebene kämpfen muss.

 

Als wir endlich in Orjahovo ankommen, geht es so steil in den Ort hinauf, dass wir mit letzter Kraft unsere Unterrkunft erreichen. Wir beschließen deshalb, am nächsten Morgen mit der Fähre nach Rumänien überzusetzen. Am Fährterminal können wir einer Tafel entnehmen, dass Orjahovo der Mittelpunkt Europas ist: Bedeutende Straßen von Süden kommend (Makedonien, Albanien, Griechenland und Türkei) führen nach Norden (Ungarn, Russland, Moldavien, Ukraine), und zwar über Orjahovo.

 

23.7.

Mit gemischten Gefühlen erreichen wir das nördliche Donauufer. In der Morgensonne fahren wir über flaches Land und erreichen nach 2 km das Dorf Bechet. Hier spuckt der Bankomat rumänisches Geld aus, und wir radeln nach Osten. Die Karte zeigt: Die Region ist von Entwässerungsgräben durchzogen und muss deshalb ohne Steigungen sein. Das bestätigt sich dann auch. Wir genießen es.

Bei einer Rast in Grojdibodu kommt ein Pferdefuhrwerk vorbei, wie wir es schon mehrfach gesehen haben. Ich frage - mit Hilfe von Gesten - , ob ich ein Foto machen dürfe. Sogleich bringt der Bauer das Fuhrwerk zum Stehen, steigt ab, nimmt eine Melone vom Wagen und schenkt sie mir. Ich will bezahlen, aber das lehnt er ab.

Nachmittags erreichen wir das Hotel Sucidava am Ortsausgang von Port Corabia. Von unserem Zimmer aus haben wir einen schönen Blick auf die Donau. In der Abenddämmerung erscheint ein Boot: Zwei Fischer wollen ihr Glück versuchen.

 

24.7.

Wir brechen morgens immer früh auf, so etwa gegen 7.00h. So können wir die ersten 2-3 Stunden noch bei angenehm kühler Luft radeln. Ab 11.00h ist es so heiß, dass man nach Schatten sucht. So sind wir dankbar, wenn die Straße von Bäumen gesäumt ist. Unterwegs treffen wir ständig auf Fuhrwerke, die von Pferden oder Eseln gezogen werden. Inder Frühe schon sind die Bauern überall auf den Feldern bei der Arbeit. Das Heu wird gewendet oder, falls es bereits trocken ist, schon mit Forken auf den Wagen geladen. Dann setzen sich die Leute oben auf das Heufuder und fahren es heim. Stets werden wir mit fröhlichem Rufen und Winken begrüßt.

 

Am Wegesrand steht ein Wagen. Darin sitzt ein kleines Kind, der Esel ist dort angebunden und in der Nähe arbeiten die Eltern des Kindes: Der Bauer senst das hohe Gras, die Bäuerin harkt bereits trockenes Gras mit einem Rechen zusammen. Fotografieren lassen sich die Leute alle gerne.

 

Nach 30km erreichen wir Turnu Magurele. Im Zentrum ist ein gepflegter Park angelegt, mit vielen schattigen Bänken und prunkvollen Wasserspielen. Am Denkmal schlafen die Hunde in der Hitze. Nie bedroht uns ein Hund. Die ersten Hunde, die uns einmal hinterherbellen, verscheuchen wir noch mit unserem Pfefferspray, aber das ist wirklich überflüssig. Es sind allesamt harmlose Kläffer, die eigentlich nur Mitleid verdienen: Herrenlos streunen sie in der Gegend umher und suchen sich im Unrat etwas zum Fressen.

 

Gleich am Park liegt die "Kathedrale Sfantul Haralambie", eine imposantes Gebäude mit den charakteristisch verdrehten Türmen. Im Innern ist es kühl und sehr, sehr dunkel. Geht der Blick nach oben, sieht man den Pantokrator, der in seiner ihm eigenen Art Mittelfinger und Daumen der rechten Hand zusammenführt. Was mag diese Geste bedeuten? Damit man dieses Deckenfresko sehen kann, flutet Licht durchdie Fenster der Kuppel.

 

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DRG Stammtisch

Der DRG-Stammtisch, lange Bestandteil des Vereins wurde eingestellt. Wir sind dabei eine neue Gelegenheit zu schaffen, bei der sich unsere Mitglieder begegnen können. Was genau verraten wir demnächst.

 

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Rumänisch-Orthodoxe Gottesdienste

finden statt in der Kirchengemeinde "Hl. Johannes der Täufer" - Hamburg

Ort:
Tegelweg 151
22159 Hamburg

Das aktuelle Programm zu den Gottesdienste finden Sie unter:

www.parohia-hamburg.de